Einleitung

Copyright: Stiftung Arztgesundheit Prof. Dr. Joerg Braun, Großhansdorf)

  
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ein 57-jähriger Internist bricht in seiner Praxis mit einem Herzinfarkt zusammen und muss per Notarzt in die Klinik. Seine Frau findet später ein EKG, sogar Blut hatte sich der Kollege noch von der Sprechstundenhilfe abnehmen lassen. Ein 60-jähriger HNO Arzt läuft über ein Jahr mit einem dicken Knie rum. Er hatte bei sich selber einen erhöhten Rheumafaktor festgestellt und gefürchtet, an einem Rheuma zu leiden. Eine 32-jährige Anästhesistin wurde von ihrem Chef gequält und fand heraus, dass dieses leichter zu ertragen war, wenn sie Valium nahm. Dieser Medikamentenmissbrauch flog auf, als ein Patient zu Schaden kam.

Haben Sie schon einmal gemerkt, wie schwierig es ist, einen Kollegen zu behandeln? Wie leicht man in einen kollegialen Diskurs gerät und damit die Arztrolle verlässt? Wie leicht man von dem gewohnten Vorgehen abweicht und damit Fehler und ungünstige Behandlungsverläufe auslöst?

Fällt es Ihnen auch schwer, sich in eine Patientenrolle zu begeben und sich um sich selber zu kümmern? Wir haben objektiv einen schwierige Patientenrolle: Uns fehlt die Gnade des Nichtwissens! Wir haben viel gesehen und dadurch eine »blühende« Phantasie in Bezug auf unsere Krankheiten. Wir haben gleichzeitig Angst, als Hypochonder bewertet zu werden. Vielleicht erkennen Sie aus eigener Erfahrung die geschilderten Formen der Selbstdiagnose und Selbstbehandlung.

Meinen Sie nicht, dass auch wir einen Anspruch auf eine optimale Gesundheitsversorgung haben? Gerade auch dann, wenn es das System nicht gut mit uns meint?

Auf dieser Seite möchte ich aus meiner Erfahrung in der Behandlung von Kollegen Fallstricke und Barrieren für die Behandlung von Ärzten darstellen. Neben einem intensiven Literaturstudium sind auch unzählige Anregungen von Freunden und Kollegen eingeflossen, für die ich enorm dankbar bin.

Ich wünsche mir, daß Sie nach der Beschäftigung mit diesem bisher stiefmütterlich behandeltem Thema selber ein gesünderes Leben führen können. Vielleicht werden Sie durch die Sorge um sich selbst sogar zu einem besseren Arzt.

Prof. Dr. med. Jörg Braun

 

Es ist nicht genug zu wissen, man muß es auch anwenden;
es ist nicht genug zu wollen, man muß es auch tun.
Johann Wolfgang von Goethe